Audi-Chef in Deutschland kritisiert nach Auftritt mit Trump bei Kundgebung in Georgia zu neuem US-Werk
Deutsche Gewerkschafts- und Arbeitnehmervertreter sowie eine sozialdemokratische Politikerin haben Audi-Vorstandschef Gernot Döllner kritisiert, weil er mit US-Präsident Donald Trump bei einer Wahlkampfkundgebung in Georgia auftrat. Dort wurden Pläne für Audis erstes Werk in den USA angekündigt.
Audi-Vorstandschef Gernot Döllner ist am Samstag gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump bei einer Wahlkampfkundgebung in Georgia aufgetreten. Die Kundgebung fand vor den Zwischenwahlen in den USA statt. Über den Auftritt berichteten The Guardian, die DW, The Local und Reuters.
Bei der Kundgebung wurden Pläne angekündigt, nach denen Audi sein erstes Werk in den Vereinigten Staaten bauen soll. Das Werk in Macon, Georgia, würde jährlich etwa 200.000 Fahrzeuge produzieren, hauptsächlich SUVs. The Local schreibt diese Zahl Trump zu. Das Projekt würde etwa 4.500 Arbeitsplätze schaffen, eine Zahl, die The Local Audi zuschreibt.
Christiane Benner, Vorsitzende der deutschen Gewerkschaft IG Metall, kritisierte Döllners Auftritt öffentlich. Sie warf ihm vor, gegen Audis Verpflichtung zur politischen Neutralität vor Wahlen verstoßen zu haben. The Guardian zitierte sie mit den Worten, der Auftritt sei „äußerst peinlich, politisch inakzeptabel und des Unternehmens unwürdig, vor allem aber der Beschäftigten von Audi“. Benner sagte außerdem, die Investition müsse noch genehmigt werden, und die endgültige Entscheidung liege beim Aufsichtsrat von Volkswagen. Laut The Guardian ist sie stellvertretende Vorsitzende dieses Gremiums.
Audi ist eine Tochter von Volkswagen. Der Konzern verfolgt in Deutschland einen umfangreichen Stellenabbau und Kostensenkungen. Audis Werk in Neckarsulm mit etwa 15.000 Beschäftigten ist durch die Umstrukturierung gefährdet. Laut The Guardian drängt Volkswagen darauf, bis zu 100.000 Stellen abzubauen.
Laut DW untersagt Audis Verhaltenskodex, der im April veröffentlicht und von Döllner unterzeichnet wurde, in den drei Monaten vor einer Wahl öffentliche Auftritte mit Politikern, die zur Wahl stehen.
Laut The Guardian ist Audi der einzige Premiumautohersteller ohne eigenes Werk in den USA. US-Importzölle von 15 % kosteten das Unternehmen im vergangenen Jahr schätzungsweise 1,2 Mrd. Euro. Der Baubeginn ist für das kommende Jahr geplant, die Fahrzeugproduktion soll in den 2030er-Jahren beginnen.
Was umstritten ist
The Guardian und die DW beziffern die Investition auf 4 Mrd. US-Dollar. The Local berichtet von 4,2 Mrd. US-Dollar, angekündigt von Trump. Laut The Guardian kündigten Döllner und Trump das Werk gemeinsam an. Laut DW und The Local kündigte Trump es an, während Döllner neben ihm stand.
Was die jeweiligen Seiten sagen
In einer Erklärung vom Montag, über die die DW berichtete, teilte Audi mit: „Wir wurden gebeten, unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten öffentlich vorzustellen.“ Das Unternehmen räumte zudem ein, die Umstände „könnten als politisches Signal wahrgenommen worden sein. Wir nehmen das sehr ernst.“ Laut DW wurden Döllner und Trump in der Erklärung nicht namentlich genannt.
The Guardian zitierte Döllner bei der Kundgebung mit den Worten, das Werk sei „eine langfristige Investition, weil wir an den amerikanischen Markt glauben“. Laut DW führt Trump die Werksentscheidung auf seine Zölle zurück. The Guardian berichtet, Trump habe argumentiert, seine Zölle auf Autoimporte nützten der US-Wirtschaft.
Laut interner Kommunikation, die deutschen Medien zugänglich gemacht wurde, kritisierte die Vorsitzende des Volkswagen-Betriebsrats, Daniela Cavallo, Trumps Rede und Döllners Teilnahme. Dies berichtete The Guardian. Isabel Cademartori, verkehrspolitische Sprecherin der Sozialdemokraten, bezeichnete Döllners Verhalten laut The Guardian als „Schande“. Ein Sprecher der Bundesregierung lehnte eine Stellungnahme ab und bezeichnete die Angelegenheit als unternehmerische Entscheidung.
Die von Vocemundi ausgewerteten Berichte enthalten keine persönliche Reaktion Döllners auf die Kritik.
Analyse
Der Streit verbindet zwei getrennte Fragen: ob eine Unternehmensführungskraft bei einer parteipolitischen Veranstaltung auftreten kann, ohne gegen Unternehmensregeln zu verstoßen, und wie sich eine Expansion in den USA auf Arbeitsplätze in Deutschland auswirkt. Laut Benner muss der Aufsichtsrat von Volkswagen, in dem Arbeitnehmervertreter Sitze haben, die Investition noch genehmigen. Das gibt den Arbeitnehmervertretern eine formale Rolle beim Ergebnis. Mögliche Szenarien sind eine Genehmigung mit Absicherungen für deutsche Standorte, eine Verzögerung oder Änderungen am Plan. Die von Vocemundi ausgewerteten Berichte beschreiben keine Prüfung des mutmaßlichen Verstoßes gegen den Verhaltenskodex durch das Unternehmen. Sie nennen auch nicht, wann der Aufsichtsrat entscheiden wird.
Wie wir das geprüft haben6 Quellen · 33/33 Aussagen gestützt · 2 KI-Prüfer
Quellen (6): The Guardian · Deutsche Welle · The Guardian (Business) · Deutsche Welle (Culture) · The Local Germany · Reuters
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Prüfgremium: Claude, Kimi · Ergebnis: freigegeben. 33 Aussagen geprüft; 33 (100 %) von mindestens zwei Prüfern mit geprüftem Beleg gestützt. Überschrift von 2 der 2 Prüfer gestützt.
Abweichungen: keine. Jeder Prüfer hat alle geprüften Aussagen gestützt.
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