Polizei in Delhi nimmt Oppositionsabgeordnete, darunter Rahul Gandhi, bei Protest gegen Wählerverzeichnisse kurzzeitig in Gewahrsam
Oppositionsabgeordnete sind am Dienstag in Neu-Delhi marschiert. Sie forderten den Rücktritt des Obersten Wahlkommissars Gyanesh Kumar wegen einer landesweiten Überprüfung der Wählerverzeichnisse. Die Polizei nahm mehrere von ihnen in Gewahrsam, darunter Rahul Gandhi, und ließ sie kurz darauf wieder
Die Polizei in Neu-Delhi hat am Dienstag, dem 6. Oktober 2026, mehrere Oppositionsabgeordnete kurzzeitig in Gewahrsam genommen, darunter Oppositionsführer Rahul Gandhi. Sie nahmen an einem Marsch teil, bei dem der Rücktritt des Obersten Wahlkommissars Gyanesh Kumar gefordert wurde.
Die Abgeordneten wurden kurz darauf freigelassen. Sie setzten ihren Protest in der Nähe des Hauptsitzes der Wahlkommission fort. Die BBC beschrieb dort einen Sitzstreik. Daily Sabah berichtete, dass Rahul Gandhi und Priyanka Gandhi Vadra sich in den Büros des öffentlichen Radiosenders neben der Kommission niederließen.
Entlang der Route galten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Die Polizei sperrte Straßen mit Absperrungen ab. France 24 berichtete, dass Hunderte Polizeikräfte im Einsatz waren.
Die Polizei gab nach Angaben der BBC nicht bekannt, wie viele Abgeordnete in Gewahrsam genommen wurden. Die BBC berichtete, dass Priyanka Gandhi zu den Abgeordneten gehörte, die in einen Polizeibus gezwungen wurden. Die South China Morning Post berichtete, die Abgeordneten seien in Gewahrsam genommen worden, weil sie versucht hätten, Absperrungen zu durchbrechen. Daily Sabah berichtete unter Berufung auf AFP, dass Rahul Gandhi auf einer Absperrung stand und die Nationalflagge schwenkte, bevor er in Gewahrsam genommen wurde. Die von Vocemundi ausgewerteten Berichte erwähnen keine formelle Anklage.
Manjeet Sheoran, Additional Deputy Commissioner of Police, sagte der BBC: „Einige der Abgeordneten versuchten, über andere Straßen zum Gebäude der Wahlkommission zu gelangen. Wir haben Beamte an mehreren Punkten stationiert, von wo aus die Demonstrierenden in Bussen abgeholt und zu verschiedenen Polizeiwachen gebracht wurden.“
Im Mittelpunkt des Streits steht die Sonderüberprüfung der Wählerverzeichnisse (Special Intensive Revision, SIR) durch die Kommission. Die SIR begann 2025 in Bihar und wurde seitdem auf weitere Teile Indiens ausgeweitet. Nach Angaben der BBC wurden bislang landesweit mehr als 130 Millionen Namen aus den Entwürfen der Wählerverzeichnisse gestrichen. Aus den Berichten geht nicht hervor, wie viele davon doppelte Einträge, Einträge verstorbener Personen oder nicht wahlberechtigter Personen waren.
Die Proteste begannen vergangene Woche. Die von jungen Menschen geführte Cockroach Janta Party beteiligt sich an der Kampagne. Ihre früheren Proteste führten zum Rücktritt des indischen Bildungsministers. Sie hat zu weiteren Protesten am Samstag, dem 10. Oktober, aufgerufen.
Der Oberste Gerichtshof Indiens hat die Regierung und die Kommission aufgefordert, zu Fragen im Zusammenhang mit der Überprüfung und der Entscheidungsfindung der Kommission Stellung zu nehmen. Nach Angaben der BBC lehnte es das Gericht ab, Kumar zum jetzigen Zeitpunkt zu suspendieren.
Was umstritten ist
Im September berichtete der Indian Express, dass zwei der drei Mitglieder der Kommission mindestens 14 Mal formell Einwände gegen Entscheidungen erhoben hätten, darunter einige im Zusammenhang mit der Überprüfung. Nach Angaben von NPR erklärte die Kommission, der Bericht gebe „unterschiedliche Ansichten und Beratungen“ wieder und keine formellen schriftlichen Einwände. Nach Angaben der BBC erklärte die Kommission, die Entscheidungen seien letztlich einstimmig getroffen worden.
Was die Seiten sagen
Oppositionsparteien sagen, die Überprüfung werde auf eine Weise durchgeführt, die der regierenden BJP nützen könnte, und habe wahlberechtigte Personen zu Unrecht ausgeschlossen. Nach Angaben der BBC bezeichnete der Vorsitzende der Kongresspartei, Mallikarjun Kharge, drei Forderungen als „nicht verhandelbar“: Kumars Rücktritt, die Aufhebung der SIR und die Rückkehr zu Stimmzetteln aus Papier. Daily Sabah zitierte Rahul Gandhi mit den Worten gegenüber Reportern: „Das Land ist von Narendra Modi durch Stimmendiebstahl gekapert worden.“
Die Wahlkommission weist die Vorwürfe eines Fehlverhaltens zurück. Sie erklärt, die Überprüfung solle doppelte und nicht berechtigte Einträge entfernen und „ausländische illegale Einwanderer“ aus den Verzeichnissen fernhalten. Die BJP sagt, die Überprüfung habe kein politisches Motiv. Nach Angaben der BBC bezeichnete der BJP-Abgeordnete Sambit Patra die Proteste als „gesponserten Versuch“, die Regierung zu stürzen. Nach Angaben von Daily Sabah hat Kumar sich nicht öffentlich geäußert.
Analyse
Der Protest verbindet zwei getrennte Fragen: ob die Überprüfung der Wählerverzeichnisse korrekt und fair ist und ob die Wahlkommission ihre eigenen Regeln zur Entscheidungsfindung eingehalten hat. Der Oberste Gerichtshof könnte sich mit der zweiten Frage befassen, bevor der politische Streit beigelegt ist. Stellt das Gericht fest, dass Entscheidungen an einer Mehrheitsabstimmung vorbei getroffen wurden, könnten einige davon aufgehoben werden. Bestätigt es das Verfahren, würde die Position der Kommission gestärkt. NPR berichtete, dass Streichungen in Westbengalen Millionen wahlberechtigter Menschen daran gehindert hätten, ihre Stimme abzugeben. Die von Vocemundi ausgewerteten Berichte nennen jedoch keine landesweite Zahl ausgeschlossener Wahlberechtigter. Diese Lücke dürfte im Mittelpunkt der Debatte bleiben, bis unabhängige Daten vorliegen.
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Quellen (7): BBC News · France 24 · NPR · Al Jazeera · Daily Sabah · South China Morning Post · Associated Press
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