Äthiopiens Abiy kündigt vor Wahlen sechsmonatige Übergangsverwaltung für Tigray an
Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hat eine sechsmonatige Übergangsverwaltung für Tigray angekündigt, mit dem erklärten Ziel, Wahlen vorzubereiten. Zuvor hatten Bundestruppen eine von der TPLF angeführte Offensive zurückgedrängt, die im September begonnen hatte.
Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hat am Freitag eine Übergangsverwaltung für die nördliche Region Tigray angekündigt. Sie soll die Region sechs Monate lang verwalten, mit dem erklärten Ziel, Wahlen vorzubereiten. France 24, Al Jazeera und Reuters berichteten über die Ankündigung.
In der Erklärung der Regierung hieß es, die Übergangsverwaltung solle „eine stabile politische Lage“ schaffen, damit freie Wahlen abgehalten werden können. Laut France 24 gab Abiys Büro die Entscheidung nach einem Kabinettsbeschluss in sozialen Medien bekannt.
Laut Al Jazeera hat die Regierung fünf Amtsträger ernannt, die die Region verwalten sollen, darunter den Bürgermeister der Hauptstadt Mekelle. Al Jazeera berichtete, die Amtsträger würden Weisungen und Anordnungen der Bundesregierung umsetzen. Die von Vocemundi ausgewerteten Berichte nennen weder die Namen der übrigen Amtsträger noch die Leitung der Verwaltung. Sie nennen auch keinen Wahltermin.
Jüngste Kämpfe
Die Ankündigung folgt auf Kämpfe zwischen Bundestruppen und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). Die TPLF war mit mehreren anderen bewaffneten Gruppen verbündet, die gegen die Regierung stehen. Sie begann im September eine Offensive. France 24 berichtete, die Offensive habe am 23. September begonnen. Die TPLF-Kräfte wurden zurückgedrängt und verloren die Kontrolle über die größten Städte Tigrays, darunter die Regionalhauptstadt.
Al Jazeera berichtete, die Offensive habe darauf abgezielt, die Regierung Abiy zu stürzen. Laut Al Jazeera erzielten TPLF-Kämpfer anfangs Geländegewinne in der Region Afar und ergaben sich später, Anfang Oktober, in Mekelle. Die Berichte enthalten keine unabhängige Bestätigung dieser Angaben zum Kampfgeschehen. Sie enthalten auch keine Opferzahlen für die Kämpfe seit September.
Hintergrund
Ein Krieg zwischen Bundestruppen, die damals von eritreischen Truppen unterstützt wurden, und der TPLF forderte von 2020 bis 2022 schätzungsweise 600.000 Todesopfer. Ein Friedensabkommen von 2022 beendete diesen Krieg. Laut Al Jazeera wurden zentrale Zusagen des Abkommens nicht eingehalten, darunter die Rückkehr von Vertriebenen und die Entwaffnung der TPLF. France 24 berichtete von anhaltender Unzufriedenheit mit den Bedingungen des Abkommens. Al Jazeera berichtete, die TPLF habe im April angekündigt, die Kontrolle über die Region wieder zu übernehmen. Al Jazeera bezeichnete dies als faktisches Ende des Friedensabkommens.
Tigray nahm an den jüngsten landesweiten Wahlen in Äthiopien nicht teil. Laut France 24 fanden diese Wahlen im Juni statt und wurden von Abiys Wohlstandspartei gewonnen. Al Jazeera berichtete, die TPLF habe Äthiopien bis 2018 fast 30 Jahre lang regiert.
Was umstritten ist
Die Rolle Eritreas ist umstritten. Laut Al Jazeera wirft die äthiopische Regierung Eritrea vor, die TPLF zu unterstützen, was Eritrea bestreitet. Beide Länder haben sich gegenseitig vorgeworfen, zum Krieg aufzuwiegeln. France 24 berichtete, die TPLF habe sich Eritrea angenähert. Al Jazeera berichtete, eritreische Truppen, die nach Tigray eingedrungen waren, hätten sich nach schweren äthiopischen Drohnenangriffen zurückgezogen.
Was die Seiten sagen
France 24 zitierte das Büro des Ministerpräsidenten mit der Aussage, die TPLF-Führung habe „keinen Frieden gewollt“ und den jüngsten „verheerenden Krieg“ begonnen. In der Erklärung hieß es weiter, die Menschen in Tigray „müssen sich aus dem Kreislauf des Konflikts befreien“.
Laut Al Jazeera hatte die TPLF zum Zeitpunkt des Berichts nicht auf die Ankündigung reagiert.
Al Jazeera berichtete, die Vereinigten Staaten hätten am Mittwoch bei einem Telefonat zwischen Abiy und US-Außenminister Marco Rubio beide Seiten aufgefordert, „zu deeskalieren“.
Analyse
Die Übergangsverwaltung stellt Tigray für einen festgelegten Zeitraum unter die Leitung von Amtsträgern, die von der Bundesregierung ernannt wurden. Ihr Ausgang dürfte von Einzelheiten abhängen, die die Berichte bislang nicht enthalten: einem Wahltermin, der Frage, wie eine Abstimmung organisiert und überwacht würde, und was geschieht, falls innerhalb von sechs Monaten keine Wahlen abgehalten werden können. Die Reaktion der TPLF, die in den ausgewerteten Berichten noch fehlt, könnte mitbestimmen, ob die Regelung akzeptiert oder angefochten wird. Die Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea verleihen der Lage eine regionale Dimension. Die möglichen Szenarien reichen von einem geordneten Übergang bis zu erneuter Instabilität. Auch die nicht eingehaltenen Zusagen des Friedensabkommens von 2022, zu denen laut Al Jazeera die Rückkehr von Vertriebenen und die Entwaffnung der TPLF gehörten, könnten sich auf den Übergang auswirken.
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Quellen (3): France 24 · Al Jazeera · Reuters
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Prüfgremium: Claude, GPT-5.6 Sol, Kimi · Ergebnis: freigegeben. 38 Aussagen geprüft; 38 (100 %) von mindestens zwei Prüfern mit geprüftem Beleg gestützt. Überschrift von 3 der 3 Prüfer gestützt.
Abweichungen: keine. Jeder Prüfer hat alle geprüften Aussagen gestützt.
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